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Eine Selbsthilfeaktion gegen die Arbeitslosigkeit
- das Modell Schwundgeld
Während der grossen Weltwirtschaftskrise,
ausgelöst durch den Börsenkrach im Jahr 1929, wurde
das Geld weltweit knapp, die Preise und die Gewinne fielen drastisch
und wegen des steigenden Geschäftsrisikos hatten Schuldner
für ihre Ausstände höhere Zinsen zu zahlen. Arbeitslosigkeit
und Geldmangel und damit auch eine sinkende Nachfrage nach Gütern
und Dienstleistungen, führten dazu, dass das Wirtschaftsleben
ganz und gar im Begriff war einzuschlafen. Davon betroffen war
auch das Dorf Appenzell.
Da Kredite zur Belebung der Wirtschaft
weitgehend fehlten, griffen manche Gemeinden zur Selbsthilfe.
Diese schufen ihr eigenes Geld, welches in der Gemeinde als Zahlungsmittel
akzeptiert werden sollte. Ein damals weltweit bekanntes Beispiel
war die Gemeinde Wörgel im Tirol, wo man sogar die Steuern
mit Schwundgeld zahlen konnte.
Wie funktionierte das Freigeld/Schwundgeld?
Es war das Ziel, das neu geschaffene Geld möglichst schnell
in Umlauf zu bringen (und zu behalten), um die Arbeitslosigkeit
und den schädlichen, auferzwungenen Konsumverzicht zu bekämpfen.
Damit auch dieses Freigeld nicht zur Hortung verwendet wurde,
waren diese Gelder mit einer Hortungsstrafgebühr belastet.
Die Besitzer des Geldes mussten dieses monatlich mit einer Gebührenmarke
bekleben, welche bei der Gemeinde gekauft werden konnte. Wenn
ein Schein nicht regelmässig mit Marken beklebt wurde, verlor
dieses innert kurzer Zeit zwischen 1-12% an Wert. Es lag also
im Interesse des Geldbesitzers dieses möglichst schnell
wieder in Umlauf zu bringen. Wer Geld hortete und dieses dem
Wirtschaftszyklus vorenthielt, bezahlte dies mit Gebührenmarken.
Die Einführung des von Silvio Gsell (1862-1930) vorgeschlagenen
Notgelds wurde auch in Appenzell diskutiert. Nach 1932 hielt
der damalige Direktor der Appenzell-Innerrhodischen Kantonalbank
Niklaus Senn (1894-1966) Vorträge zu diesem kontroversen
Thema. Ein bekannter Verfechter des Prinzips war der Ausserrhoder
Ständerat Hans Konrad Sonderegger (1891-1944), Theologe,
Jurist und Redaktor des beachteten Säntis. Er gab
1936 sein eigenes Blatt Der Demokrat heraus und war aktiver
Referent in vielen politischen Versammlungen.
Unsere Fragen:
Wer kann zum Inhalt der Vorträge von
Niklaus Senn und Konrad Sonderegger Auskunft geben?
Wer hat diese Geldform in Appenzell effektiv verwendet? Es wurden
in Appenzell in dieser Zeit einige Häuser mit Freigeld gebaut,
z.B. an der Kaustrasse? Wer kennt Handwerker, welche Notgeld
angenommen haben? Wo wurden weitere Projekte realisiert?
Sind Geldscheine dieser Art, Abrechnungen oder Sitzungsprotokolle
von Handwerkerversammlungen noch vorhanden?
Das Freigeldmodell wurde in späterer Zeit weiter
entwickelt . Das WIR-Geld-Konzept, welches aus diesem Modell
hervorgegangen ist, dient heute noch als Ersatzzahlungsmittel.
Im Internet können Sie mit den Suchwörtern Silvio
Gsell Freigeld viele Artikel über das scheinbar immer
noch aktuelle Thema finden.
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